Krimi Faktencheck #1
Beziehung zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft

Ich bin ein Krimifan durch und durch. Vielleicht geht es euch genauso und ihr habt schon zu oft Bücher gelesen, bzw. Fernsehkrimis gesehen, die zu sehr von der Realität abschweifen. Da wird aus Mordlust schnell Mordfrust. Auf der anderen Seite: Künstlerische Freiheit finde ich gut, wenn sie dem Plot dient. Da darf der Autor auch mal von der Wahrheit abschweifen, kein Problem. Wenn der einigermaßen informierte Leser aber den Eindruck bekommt, der Autor habe sich kaum mit der Materie beschäftigt und oberflächlich recherchiert, kommt es schnell zur Enttäuschung.

In dieser Reihe möchte ich mit euch ein paar grundlegende Fakten klären, die vor allem die Aufgaben der Mordkommission betreffen. Viele dieser Fakten habe ich aus erster Hand von einem Beamten der Mordkommission in Hamburg erhalten. Ich stand längere Zeit über ein Forum mit ihm in Kontakt, und er half mir sehr bei den Recherchen zu meinem Krimi-Roman, der im Moment leider etwas auf Eis liegt. Er schrieb, dass es ihm fertig mache, dass er sich keinen Krimi angucken könne, ohne sich die Haare zu raufen. Na ja, wenn es mir schon so geht, wie muss es dann erst bei ihm aussehen. Die erhaltenen Informationen gebe ich an euch weiter, was sicher in seinem Sinn wäre.

1 Kapitel: Die Beziehung zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft

In Krimis hält sich ein Klischee wacker: Die Staatsanwaltschaft ist der Feind der guten Polizeiarbeit. Sobald sich eine heiße Spur auftut, funkt die Staatsanwaltschaft dazwischen, wirft mit Paragrafen um sich, dass die Polizisten nur die Augen verdrehen können. Die Staatsanwaltschaft ist aber nicht dazu da, den Ermittlern Steine in den Weg zu legen. Ganz im Gegenteil: Sie haben ein gemeinsames Ziel, nämlich ein beweiskräftiges, anklagefähiges Strafverfahren.

Die Herrin des Strafverfahrens

Laut der Strafprozessordnung sind Polizeibeamte die „Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft“. Der überwiegende Teil aller Straftaten wird selbständig durch die Polizei ausgeführt. Bei komplexeren Fällen hingegen arbeiten Staatsanwaltschaft und Polizei enger zusammen. Die eine Partei kann beraten, welche rechtlichen Schritte nötig sind, um die Ermittlungen voranzubringen, während die Staatsanwaltschaft den Fokus der Ermittlungen auf eine potentielle Verurteilung legt. Die Staatsanwaltschaft greift aber nur gering bis gar nicht in die Ermittlungen ein, ist aber die „Herrin des Strafverfahrens“, was bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft stets das letzte Wort hat.

Von der Strafverfolgung bis zum Prozess

Die Ermittlungen sind also weitgehend Sache der Kriminalbeamten. Sind diese abgeschlossen, wird die mit dem Fall zusammenhängende Akte an die Staatsanwaltschaft übermittelt, die von da an den Fall übernimmt. Je nach Behörde wird die Akte dann von Staatsanwälten, oder bei Bagatelldelikten von Amtsanwälten, bearbeitet.

Ab jetzt Entscheidet die Staatsanwaltschaft, wie es weitergeht:

  1. Fall: Die Staatsanwaltschaft stellt fest, dass die bisherigen Ergebnisse nicht für eine Anklage ausreichen, es aber noch Ermittlungsansätze gibt, die einen Verdacht ausreichend erhärten könnten. Dann wendet sich die Staatsanwaltschaft wieder an die Polizei mit der Bitte, beispielsweise weitere Zeugenbefragungen durchzuführen oder Observierungsmaßnahmen einzuleiten.
  2. Fall: Die Staatsanwaltschaft sieht in der Ermittlungsakte einen hinreichenden Tatverdacht bestätigt. Aus der polizeilichen Akte verfasst die Staatsanwaltschaft dann eine Anklageschrift, die direkt zum zuständigen Gericht weitergeleitet wird.
  3. Fall: Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren wegen Mangels an Beweisen ein.

Wann arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen?

Bestimmte ermillungstechnische Maßnahmen wie das Abhören eines Mobiltelefons können nur von der Staatsanwaltschaft bewilligt werden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist die Staatsanwaltschaft in einem Fall involviert. Umfangreichere Maßnahmen wie eine Hausdurchsuchung müssen von einem Richter geprüft werden, der daraufhin eventuell einen Durchsuchungsbeschluss ausstellt. Zuvor ist in jedem Fall die Staatsanwaltschaft zu informieren. Sie setzt sich anschließend mit dem Gericht in Verbindung.

Bei Mord und anderen Kapitaldelikten ist die Staatsanwaltschaft von Anfang an dabei. Das trifft auch auf Fälle zu, die ein großes öffentliches Interesse hervorrufen oder viel Ermittlungsaufwand erfordern.

In der StPO und der RistBV könnt ihr nachlesen, was die Staatsanwaltschaft sonst so treibt, wenn ihr tiefer in die Materie einsteigen wollt.

Ich hoffe, dass waren nicht zu viele Fakten auf einmal und dass sie euch weiterhelfen konnten.

Über ein Kommentar freue ich mich wie immer sehr!

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