Videoüberwachung heute:
Veraltete Technik & Sicherheitslücken

Daniel [x] Crime Leave a Comment

Selbst Angestellte von Fastfood-Ketten sind zu kreativen Höhenflügen fähig, sobald es um eine kleine Gehaltsaufstockung geht. Zu diesem Schluss kam einer von Andreas Nobiks Klienten, nachdem ihm die eigenen Mitarbeiter mehrmals die Kasse plünderten. Leider beging der Fastfood-Gastronom einige folgenschwere Fehler.

Nachdem ich mir beim Fraunhofer Institut angesehen hatte, wie Kamerasysteme in Zukunft durch spiegelndes Glas hindurchsehen könnten (zur Story) und mir Michael Bätz von der Friedrich Alexander Universität einen Einblick in die SR-Technologie gewährte (zur Story), wollte ich wissen, wie die Überwachungstechnik per Video in der Praxis angewandt wird. Könnte Super Resolution, also das Verbessern von miesen Videoaufnahmen in der Post-Produktion, überhaupt verstärkt in der Strafverfolgung zum Einsatz kommen, oder ist die Technologie bereits überholt? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, besuchte ich Andreas Nobik, den Geschäftsführer von Camovation in Nürnberg. Zusammen mit seinem Team installiert er Überwachungssysteme – vorwiegend Kameras. Zu seinen Kunden zählen große Industrieanlagen ebenso wie Restaurants und Bars.

Meist kämen die Kunden auf ihn zu, wenn der Schaden bereits entstanden sei. So war es auch im Falle des Fastfood-Gastronoms, von dessen Fall mir Nobik berichtet. Als der Geschäftsführer merkte, dass er bestohlen worden war, installierte er auf eigene Faust Kameras. Diese verband er über Kabel mit dem Computer und nutze ihn so als Rekorder. Aus Nobiks Sicht ein typischer Anfängerfehler. Zudem stand der Computer auch noch frei zugänglich im Büroraum. Der oder die Diebe steckten also bloß die Kabel aus dem Rekorder und bedienten sich an der Kasse. Daraufhin sperrte der Chef den Computer weg. Am nächsten Tag waren die Kabel durchtrennt. „Er konnte nichts nachweisen“, erzählte Nobik, „weil er die Kassenbestände nicht abgerechnet hat, sondern direkt in die eigene Tasche wirtschafte.“ In seiner Verzweiflung, rief er Nobik an, um den Täter vielleicht doch noch zu stellen.

Bei Nacht und Nebel

„In einer Nacht-und-Nebel-Aktion installierten wir ein neues Kamerasystem. Die Kabel zogen wir durch die Zwischendecke, sodass niemand sie finden und abzwicken konnte“, verriet Nobik. Außerdem schlossen sie die Kameras an eine USV-Anlage an, wie sie auch in Krankenhäusern und Rechenzentren eingesetzt wird. Solche Anlagen stellen eine unterbrechungsfreie Stromversorgung sicher. Wenn der Dieb also auf die Idee käme, den Sicherungsschalter umzulegen, würden die Kameras weiter aufzeichnen.

Gleich darauf schlug der Dieb wieder zu. „Das einzige Problem war, dass gerade mehrere Mitarbeiter im Raum waren, und er sich ein Tuch über den Kopf gelegt hat, um sich zu verschleiern“, sagte Nobik. „Aber ich habe heute Abend noch einen Termin beim Geschäftsführer. Ich glaube, wir können jetzt beweisen, wer es war.“

Überwachung in SD, HD und 4K

Mal abgesehen von Banken, Industrieanlagen, U-Bahnhöfen und Justizvollzugsanstalten sind noch über 85% SD-Kameras im Einsatz.
Andreas Nobik

SD ist veraltet, aber dennoch häufig anzutreffen. „Durch diese Kameras kann der Betrachter Gesichter in einer Entfernung von fünf Metern schon nicht mehr erkennen“, sagte Nobik. Viele Kunden hat er bei der Umstellung von SD auf HD unterstützt. Gerade öffentliche Einrichtungen seien dafür gut budgetiert. Polizei und JVA haben einzelne Abteilungen, die sich mit dem Thema Überwachung auseinandersetzen. Sobald sie eine passende Lösung gefunden haben, beauftragen sie einen externen Dienstleister wie Camovation mit der Umsetzung.

„Was nach dem HD kommt, sind die 4K-Kameras“, verriet Nobik. Dann sah er zu der Kamera auf seinem Schreibtisch und grinste. Seine erste 4K-Überwachungskamera. Vor dem großen 4K-Durchbruch, müsse allerdings erst das separate Netzwerk gebaut werden. Auch hängt der Erfolg vom richtigen Kodex ab. Neue Kodierer sollen die Daten des Streams deutlich verringern, ohne Verlust der Qualität, und so die 4K-Überwachungskameras voranbringen.

W-LAN kann man leicht knacken, nur eine Frage der Zeit.
Andreas Nobik

Nobik ist bereits eine Weile im Geschäft und konnte sich behaupten. „Früher war die Sache einfach: Kabel in den Recorder, Kabel in die Kamera. In der Zeit haben sich Schlüsseldienste diesen Nebenerwerb gesucht.“ Leider bieten noch immer viele dubiose Anbieter Überwachungssysteme für kleines Geld. „Wenn es um IP-Adressen und Subnet geht, hört es bei den meisten schon auf. Wo an der Sicherheit gespart wird, beginnt das Risiko.“ Deshalb empfiehlt Nobik ein getrenntes Netzwerk, das nur in einer Richtung von außen Kontakt aufnimmt und komplett verschlüsselt ist.

Heutige Recorder empfangen ihre Daten zu 90 Prozent über Netzwerkanschlüsse. Der Markt ist voller Funkkameras, die mit dem öffentlichen W-LAN kommunizieren. „Nur wenige Hersteller verschlüsseln ihr Signal, was die Installation besonders einfach macht“, so Nobik. Einfache Installation bedeutet aber auch einfaches Eindringen. Mit Scannern verschaffen sich Kriminelle direkt Zugang zu allen Kameras. Für 100 Euro kann jeder so einen tragbaren Spionage-Fernseher erwerben. Um das Bild der Überwachungskameras einzufangen, bräuchte sich der Hacker lediglich neben einer Filiale zu positionieren und auf Sendersuche zu begeben. Ein späterer Kunde von Nobik geriet durch derartige Schwachstellen im Netz ins Visier von Kriminellen. „Sie konnten so auf alle Kameras zugreifen, auch auf die im Tresorraum, wo sie einen Mitarbeiter dabei beobachten, wie er den Code ins Zahlenfeld tippte. So einfach geht das.“

Technik verstehen. Technik gestalten. Technik testen. Diese drei Dinge bewegen mich im Alltag. Hier möchte ich spannende Geschichten und Projekte mit euch teilen. Zusammen halten wir Ausschau nach aktuellen Trends und nehmen allmöglichen Stuff unter die Lupe. Kommentiert gerne mit und werdet ein Teil von FUTUR3 hoch drei. Würde mich freuen!

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