Uhrmacher der ersten Stunde

Daniel [x] Wissenschaft Leave a Comment

Es ist ein Reflex der Neuzeit: Wenn uns jemand nach der Uhrzeit fragt, schauen wir auf unser Handgelenk oder ziehen das Smartphone aus der Hosentasche. Doch stellen wir uns vor, wir richteten die gleiche Frage an einen Menschen, der ein paar tausend Jahr vor Christus gelebt hat. Er würde uns ansehen, einfach nur ansehen, und dann vielleicht den Himmel. Die Zeit gehorchte einzig dem Stand der Sonne. Die Nacht war zeitlos. Aus heutiger Sicht kommt es einem also naheliegend vor, dass die Sonnenuhr, das erste Instrument war, mit dem die Ägypter versuchten, die Zeit zu erfassen. Später zogen sie auch die Sterne zur Zeitmessung heran. Es folgten Wasseruhren, Kerzenuhren und Öllampen mit einer bestimmten Länge der Zündschnur. Noch später Sanduhren. Die wahrscheinlich erste Räderuhr tickte 1335 in Mailand. Von dort aus breitete sie sich rasend schnell aus und schon bald besaß jede Stadt ihre eigene Kirchturmuhr. So gab es ab 1400 auch die ersten Uhrmacher. Über Jahrhunderte entwickelte sich das Handwerk des Uhrmachens weiter, und brachte immer wieder Pioniere hervor, die die Zeit in die Welt brachten.

Peter Henlein, der Taschenuhrmacherpeter-henlein-206054_1920

Die Erfindung der Metallfeder erlaubte es dem Nürnberger Peter Henlein um 1500 die erste bekannte Taschenuhr zu fertigen. Bekannt war der Handwerker und Künstler bis dato bereits für seine Großuhren, die zahlreiche Königshäuser schmückten. Seine erste wesentlich kleinere Räderuhren bezeichneten die Bürger wegen ihrer Kugelform auch als Bisamapfel. Ansonsten waren seine Taschenuhren meist zylindrisch. Nach seinem Tod kamen immer mehr Taschenuhren auf, die zunehmend ovale Formen annahmen und so als „Nürnberger Ei“ in die Geschichte eingingen.

 

 

John Harris, der SchiffsuhrmacherJohn_Harrison_(Gemälde)

Die Kirchturm- und Taschenuhren hatten jedoch ein gemeinsames Problem: Es fehlte an der nötigen Genauigkeit. Auf dem Ziffernblatt bewegte sich nur ein Stundenzeiger. Erst die Erfindung des Pendels als sogenannte Unruh, steigerte die Präzession, und einen Holländer gelang es 1656, die erste Pendeluhr zu bauen. Welche gleichzeitig die erste Uhr mit Minutenzeiger war. Auf diesem Erfolg baute John Harris auf und entwickelte die Pendeltechnik weiter, sodass er bald eine Genauigkeit von Sekunden erreichte. Gerade für die Schifffahrt waren präzise Uhren von enormer Relevanz. Deshalb erfand John Harris 1759 den ersten Marinechronometer. Mit der Schiffsuhr war das Längenproblem endlich gelöst. Das Gerät ermöglichte es erstmals, die zeitliche Verschiebung bei langen Schifffahrten zu erfassen und auszugleichen.

 

Louis Breguet, der ArmbanduhrmacherAbraham_Louis_Breguet_02

Die vermutlich erste Armbanduhr der Welt baute der Uhrmacher Breguet für Caroline, die Schwester Napoleons. 1810 bestellt, 1811 bezahlt und 1812 ausgeliefert, entwickelte sich die Uhr am Handgelenk, die mit Haaren befestigt wurde und zusätzlich über ein Thermometer verfügte, schnell zum Trendobjekt unter den Reichen. Das ist vor allem Caroline zu verdanken, die noch zwölf weitere Uhren bei Breguet in Auftrag gab. Die Uhrenmanufaktur, die Breguet 1775 gegründet hat, existiert noch heute. Die Exemplare gehören zu den teuersten der Welt. Die Massenproduktion von Uhren startete erst Mitte des 19. Jahrhunderts im Schwarzwald. 1880 ging dann ein Großauftrag bei einer Schweizer Firma ein: Die deutsche Marine sollte mit Armbanduhren ausgestattet werden. Komplett setzte sich die Armbanduhr während des Ersten Weltkriegs durch und fand danach auch ihren Weg in die zivile Gesellschaft. Die Taschenuhr blieb jedoch weiterhin sehr beliebt.

 

hans-wilsdorf_portraitHans Wilsdorf, der Exklusivuhrmacher

Der aus Kulmbach stammende Hans Wilsdorf war nicht nur ein exzellenter Uhrmacher, sondern in erster Linie auch Unternehmer. 1905 gründete er in der Schweiz die Firma Rolex, mit der ihm rund zwanzig Jahre später der große Durchbruch gelang. Mit seinem ausgeprägt strategischen Profitdenken startete er eine geniale Marketingkampagne: Um seine wasserdichte Uhr, die Oyster, bekannt zu machen, stattete er die britische Schwimmerin Mercedes Gleitze bei ihrem Versuch, den Ärmelkanals zu durchqueren, mit diesem Exemplar aus. Die Schwimmerin scheiterte, doch die Oyster funktionierte nach wie vor und machte die Firma Rolex über Nacht berühmt.

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Es folgte die erste Quarzuhr, durch deren Schwingkristall eine bisher nie dagewesene Genauigkeit erreicht werden konnte. Der nächste Schritt zu mehr Präsession war die Funkuhr, die sich durch den Empfang eines Funksignals immer wieder nachjustierte. Übertroffen wurde sie schließlich von der Atomuhr. Im BIPM wird nach den Messwerten von fast 300 Atomuhren, die an über 60 Instituten aktiv sind, die genaueste Zeit festgelegt, die als Referenzzeit gilt. Nach ihr richten sich auch die Ziffern unserer digitalen Uhren. Durch Smartwatches gerät die Uhrzeit gegenüber der Fülle an Funktionen beinah in den Hintergrund. Dabei ist sie das entscheidende Maß, das beinah alle Prozesse in unserer Gesellschaft steuert.

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